Unter dem Motto „Sport, Spiel und Spaß for Youth“ fand am 17. Juni ein Fest des ASV Dachau in Kooperation mit dem städtischen Arbeitskreis „Jugend & Integration“ statt. Mit einem „bunten“ Programm von Volkstanz, Skate Contest bis Graffiti, Volleyball und natürlich Fußball, sollte ein „größeres Toleranzverständnis“ vor allem unter Kindern und Jugendlichen vermittelt werden.
Ohne solche Bestrebungen per se abzulehnen, muss aber festgestellt werden, dass mit der zentralen Aussage „Integration geht jeden etwas an“ ein grundsätzlich falsches Verständnis vom Umgang mit Migrant_innen vorherrscht. Wenn es einzig und allein um eine Integration in die bestehende deutsche Gesellschaft geht, bleibt das beschworene „Wir-Gefühl“ von Anfang an auf der Strecke. Um so eklatanter, da man ja mit dem Fest die Jugend erreichen wollte. Das sich der Integrationsbeauftragte der Stadt Dachau und Mitinitiator Horst Ullmann darum gekümmert hat, dass die Menschen aus dem Flüchtlingslager in der Kufsteinerstraße von dort abgeholt und zum Fest gebracht werden ist ja nicht schlecht. Damit werden aber keineswegs die inhumanen Lebensbedingungen der dort zwangsweise untergebrachten Menschen thematisiert, geschweige denn kritisiert. Es wird sich die enorm wichtige Arbeit des Dachauer AK Asyl als eine Art Feigenblatt zu Nutze gemacht. Während in Bayern immer wieder Proteste bis zu Hungerstreiks den staatlichen Umgang mit Flüchtlingen anprangern, begnügt man sich in Dachau damit, mal eine Party zu schmeißen und Flüchtlinge dazu einzuladen.
Auch alltäglicher Rassismus, mit dem alle Migrant_innen konfrontiert sind, ist bei diesem Fest kein Thema. Wenn Ullmann gegenüber der Dachauer SZ am Vortag erklärt, dass das Fest „sowohl für Deutsche als auch für Ausländer“ gedacht sei, zeigt sich schon deutlich, dass hier eine Unterscheidung vorzuliegen scheint. Auch während der laufenden Fußball EM, wo rassistische Äußerungen in den Stadien und vor allem ein an jeder Straßenecke anzutreffender Nationaltaumel in Regelmäßigkeit auftreten, wurde die Chance sich demgegenüber zu positionieren schlichtweg verpasst. Die Möglichkeiten wären vielfältig gewesen. Ob in Form von Information über Initiativen gegen Rassismus in den Stadien oder Antirassismus-Workshops etc.
Dass es auch anders geht, hat vergangenes Jahr das Internationale Straßenfest gegen Ausgrenzung & Rassismus von u.a. AK Asyl, Freiraum Dachau und Mieterverein in der Brunngartenstraße gezeigt. Dort wurde selbstorganisiert und ohne Budget der Stadt Dachau zwar auch nur zusammen mit Flüchtlingen gefeiert, aber versucht mit Informationsständen auf die bestehenden Missstände aufmerksam zu machen. Ebenfalls hatte das Internationale Straßenfest einen deutlich antirassistischen Charakter.
All das war den lokalen Medien damals keinerlei Notiz wert. Anders verhält es sich mit dem Fest von „Jugend & Integration“, was letztendlich die deutschen Zustände widerspiegelt und über den Tellerrand des gesamtgesellschaftlichen Mainstreams nicht hinaus geht. Stattdessen soll sich in die bürgerliche Gesellschaft, die selbst Migrant_innen und sozial Schwächere ausschließt, integriert werden. Sich dem zu verweigern ist legitim und praktische Solidarität mehr als nur notwendig.