Morgen 10.02.: Hadi bleibt – Abschiebestopp sofort!

11.02.14:
Bericht des Bayerischen Flüchtlingsrats
Demonstration fordert Abschiebestopp nach Afghanistan

Keine Abschiebung nach Afghanistan!
Demonstration | Montag, 10.02.2014, 17 Uhr
Bayerisches Innenministerium | Odeonsplatz 3 | U3/U6 Odeonsplatz

Bayerischer Flüchtlingsrat
„Während der Bürgerkrieg in Afghanistan eskaliert, schiebt Bayern weiterhin Flüchtlinge ab. Im Moment ist unter anderem Hadi Arefi (22) aus Dachau von der Abschiebung bedroht. Hadis Hoffnung: Voraussichtlich am Mittwoch, den 12.02.2014 wird der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags über seinen Fall entscheiden. Darum gehen wir am Montag davor auf die Straße: Nicht nur für Hadi, sondern für alle Flüchtlinge aus Afghanistan die in Angst vor der Abschiebung leben müssen.

Allein in Bayern leben 572 Afghanen, deren Asylantrag abgelehnt wurde und die nur geduldet sind. Die alleinstehenden geduldeten Männer können abgeschoben werden, wenn ein Pass vorliegt, Familien und Frauen sind momentan nicht bedroht.
Mit dem beginnenden Truppenabzug aus Afghanistan und dem Erstarken der Taliban ist das Bürgerkriegsland so unsicher, wie seit Jahren nicht mehr. Mit dem Abzug der ISAF Truppen droht der Bürgerkrieg weiter zu eskalieren. Laut UN-Mission in Afghanistan sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 23 Prozent mehr zivile Opfer gezählt worden. Personen, die sich der Rekrutierung durch die Taliban widersetzen, sind dem Risiko ausgesetzt, als vermeintliche Regierungsspione getötet oder auf andere Weise bestraft zu werden. Insbesondere Abgeschobene aus westlichen Staaten sind zudem besonders in Gefahr, als Spione des Westens von den Taliban verfolgt oder Opfer des boomenden Geschäfts mit Entführungen zu werden. Derzeit findet eine Neubewertung der Sicherheitslage statt, die zu einem Abschiebestopp führen könnte. Während deshalb andere Bundesländer die Abschiebungen nach Afghanistan ausgesetzt haben, wird in Bayern noch schnell vollzogen.

Hadi Arefi sollte bereits am 29.01.2014 abgeschoben werden. In den frühen Morgenstunden wurde er ohne Vorwarnung von der Polizei abgeholt. Die Abschiebung scheiterte jedoch. Ein nächster Abschiebeversuch, diesmal mit Polizeibegleitung, ist jedoch nicht auszuschließen. In Dachau ist Hadi bestens integriert. In den vier Jahren in Deutschland hat er sich selber deutsch beigebracht, spielt Fußball in einer Hobbymannschaft und hat zwei Jobs, mit denen er seinen Lebensunterhalt selbst verdient.

Wir, Hadis Freundinnen und Freunde, das Netzwerk „NAKO! Stop deportations to Afghanistan“ und der Bayerische Flüchtlingsrat sagen:

– Hadi bleibt – Abschiebestopp sofort!
– Keine Abschiebungen in Bürgerkriegsländer – keine Abschiebungen nach Afghanistan!“

Dresden: Beschäftigte einer linken Szenekneipe im Streik

Seit dem 01.02.2014 befinden sich die Beschäftigten der Dresdner Szenekneipe „Trotzdem“ im Streik. Hauptziel des Streiks ist die Rücknahme der Kündigungen von drei in der Basisgewerkschaft Nahrung und Gastronomie organisierten Kellner_innen und der Abschluß eines Haustarifvertrages. Sollte sich die in der Dresdener Neustadt als „Anarchistin“ bekannte Kneipenchefin nicht dazu in der Lage sehen, bietet die BNG als Alternative die Umwandlung des Betriebes in einen Kollektivbetrieb an.


Mittlerweile begründet die Chefin die Entlassung der drei mit Diebstählen aus dem Lager der Kneipe, die über Monate andauern sollten und angeblich zur ökonomischen Gefahr geworden sind. Die Chefin im Wortlaut: „Da wir leider den oder die Täter nicht feststellen konnten, haben wir uns gezwungen gesehen, die gesammt Crew zu entlassen.“

Am 01.02. begann planmässig der Streik. Neben den drei gekündigten Kellner_innen unterstützten über 80 Stammgäste und Gewerkschaftsmitglieder die Aktion. Die Chefin erhob in einer Stellungnahme überraschende Vorwürfe, auch die Kellner_innen treten mit einer weiteren Stellungnahme an die Öffentlichkeit.
Der Streikposten begann 20 Uhr. Das „Trotzdem“ blieb geschlossen. Davor verteilten Gewerkschaftsmitglieder Informationen an Kund_innen und Passant_innen. Es wurden viele Diskussionen geführt und viele Gäste unterstützten die Aktion. Nur ca. 4-5 Stammkund_innen blieben verständnislos. Die Mahnwache wurde durch Live-Musik unterstützt.

„Die ganze Unterstützung war sehr rührend. Wir haben Solidaritätsbriefe und Emails bekommen. Eine mir unbekannte Person fuhr extra mit dem Auto vorbei, überreichte uns Streikgeld und fuhr weiter. Kolleg_innen aus anderen Kneipen grüßten uns und wünschten Kraft und Glück.“, schildert Wolf, der Pressesprecher der Betriebsgruppe, den ersten Streiktag.

Mehr Infos bei der FAU Betriebsgruppe Trotzdem Unbequem
Hintergründe des Streiks in einem Argumentationspapier der BNG

Werkerinfo #15 erschienen – Mitarbeiter_innenzeitung MAN Werk München/Karlsfeld

„Ser­vus liebe Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,
die 15. Aus­ga­be ist raus und die Puste auch. Über­stun­den über Über­stun­den, alles für den Ge­winn von VW und Vor­stand. Was wir alles mit­ma­chen sol­len, damit es der Firma gut und den Vor­stän­den noch bes­ser geht, wäh­rend wir an einen ge­rech­ten An­teil für diese ganze Ex­tra­schuf­te­rei gar nicht erst den­ken soll­ten… Es ist eine maß­lo­se Frech­heit von den Be­triebs­rä­ten, Chefs und Pla­nern, uns zu kom­man­die­ren, als wären wir Hoch­leis­tungs­ro­bo­ter!
Mit der In­for­ma­ti­ons­pflicht nimmts der sonst so kämp­fe­ri­sche Be­triebs­rat (Ach­tung Iro­nie!) auch nicht sehr eng. Soll doch die Pro­duk­ti­on wei­ter lau­fen, damit die Ar­bei­ter_in­nen schön wei­ter­ar­bei­ten und die fau­len Be­triebs­rä­te eine Be­triebs­ver­samm­lung we­ni­ger zum vor­be­rei­ten haben (im 3. Quar­tal fand keine statt). Naja, ganz so faul sind sie ja dann doch nicht. Soll schließ­lich ei­ni­ge geben, die auf Lehr­gän­gen in den von allen IG Me­tall Mit­glie­dern be­zahl­ten Ho­tels, hin und wie­der zu tief ins Glas schau­en. Oder einer, der gerne mal mit einem Chef am Fuß­ball­platz sei­nen Spaß hat, ganz kämp­fe­risch eben.
Wäh­rend­des­sen be­kom­men ei­ni­ge Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen mal Haut­nah mit, was die Pla­ner mit uns an­stel­len. In Work­shops wer­den von denen die Zei­ten ein­zel­ner Ar­beits­plät­ze genau ge­stoppt und be­merkt, dass diese meis­tens viel län­ger sind, als der Takt es zu­lässt. Das stört dann aber auch nicht wei­ter, denn mehr Mit­ar­bei­ter_in­nen wer­den nicht zur Ver­fü­gung ge­stellt. Eher wer­den Sprin­ger und Gruko’s noch mehr ge­for­dert, damit die­ses Power­pro­gramm wei­ter­hin mit so we­ni­gen Mit­ar­bei­ter_in­nen wie mög­lich ge­schafft wer­den kann. Da hilft nur eines, lang­sam ar­bei­ten – scheißt auf den Takt, schaut auf eure Ge­sund­heit!“

ganze Ausgabe lesen unter werkerinfo.tk

Repression gegen Ford-Kolleg_innen geht weiter

von Solidaritätskreis 7. November

Verfahren gegen solidarischen Kollegen aus Köln eingestellt – Prozesse gegen Kollegen aus Belgien

„Die Staatsanwaltschaft Köln hat das Ermittlungsverfahren gegen einen Kollegen aus Köln eingestellt, der sich am 7. November 2012 mit dem Protest der Ford-Arbeiter aus Genk solidarisiert hatte. Damit hat sie den Vorwurf der “Rädelsführerschaft” in einem “besonders schweren Fall von Landfriedensbruch” (Mindeststrafe 6 Monate Knast) fallengelassen, nachdem der Solidaritätskreis 7. November das Vorgehen der Justiz öffentlich bekannt gemacht hatte und zahlreiche GewerkschafterInnen, politische Gruppen und aktive KollegInnen innerhalb und außerhalb Deutschlands sich solidarisiert haben.

Gleichzeitig wurden gegen 13 Kollegen aus Belgien Strafbefehle verschickt. Während 12 davon auf Geldstrafen lauten, fordert die Staatsanwaltschaft gegen einen Kollegen zehn Monate Haft auf Bewährung wegen “gefährlicher Körperverletzung” durch angebliche Böllerwürfe.
Nachdem sie kurzzeitig das politische Konstrukt der “Rädelsführerschaft” aus der Schublade geholt hatte, schaltet die Staatsanwaltschaft damit nun einen Gang zurück und greift zur altbekannten Taktik, die betroffenen Kollegen in “Gewalttäter” und “friedliche Demonstranten” zu spalten und die Kriminalisierung auf einen angeblichen “Haupttäter” zu konzentrieren.
Diese Reaktion der Staatsanwaltschaft zeigt erstens, dass der Widerstand gegen die Kriminalisierung der Ford-Kollegen erste Früchte trägt und zweitens, dass er jetzt erst recht weitergehen muss: Alle betroffenen Kollegen haben Widersprüche gegen die Strafbefehle eingelegt. Noch sind keine Prozesstermine angesetzt. Da dies aber kurzfristig in den nächsten Wochen geschehen kann, bereiten wir uns darauf vor. Die KollegInnen brauchen dringend unsere Unterstützung, zumal einige Gewerkschaftsfunktionäre auf höherer Ebene vor Ort die Tendenz haben, sie jetzt im Regen stehen zu lassen.

Wir rufen dazu auf, die betroffenen KollegInnen weiter durch Solidaritätserklärungen und Spenden für die Solikampagne zu unterstützen und in Betrieben und Stadtteilen durch Flugblätter u.v.m. auf den Fall aufmerksam zu machen.

In Köln werden wir in der Woche, in der die Prozesse beginnen, diese in großer Zahl besuchen und eine breite Solidaritätsdemonstration organisieren. Wir rufen ebenfalls dazu auf, deutschlandweit durch viele bunte und kreative Begleitaktionen vor Ford-Autohäusern auf die Prozesse aufmerksam zu machen.“

Chronik 2013

Januar

Im Januar fällt in den Schrebergärten am Dachauer Bahnhof ein an Briefkästen gesprühtes Hakenkreuz auf. (Quelle: Antifa)

Am 21. Januar stellt das Dachauer Gericht ein Verfahren gegen 4 Jugendliche ein. Der als „Rädelsführer“ Angeklagte wird frei gesprochen. Ein 50 jähriger Hausbesitzer aus Dachau Süd fühlte sich durch die 15- bis 16 jährigen vor seinem Haus provoziert, worauf er sie als „Kanaken“ beschimpfte und wegen Ruhestörung anzeigte. (Quelle: Dachauer SZ)

Februar

Anfang Februar wird ein zur Tatzeit in Vierkirchen wohnhafter Neonazi vom Amtsgericht Dachau zu sechs Monaten auf Bewährung und 1200 Euro Geldstrafe verurteilt. Der zu diesem Zeitpunkt 31 jährige hatte auf seinem Facebook-Profil ein Bild mit Reichsadler und Hakenkreuz gepostet. Vor Gericht macht er aus seiner Gesinnung keinen Hehl: Er fühle sich der rechten Szene zugehörig und pflege Kontakt zu einer „rechten Kameradschaft“. Der gelernte Metzger ist diesbezüglich mit elf Einträgen im Bundesstrafregister eindeutig vorbestraft. Allerdings würde der jetzige Vorwurf nicht gegen laufende Bewährungsauflagen verstoßen. (Quelle: Dachauer SZ)

Am 16. Februar diskutieren im bayerischen Landtag Vertreter_innen von migrantischen Sportverbänden mit Wissenschaftler_innen über deren Probleme. Dabei spricht Georgis Andeadis, technischer Leiter bei AEG Dachau an, dass sie als griechischer Verein regelmäßig rassistisch Beleidigt werden. Sie würden beispielsweise mit Kastanien beworfen. Auch zeigen Zuschauer_innen den Hitlergruß. Wenn er sich darüber bei Schiedsrichtern beschwere, entgegnen die, sie könnten dagegen nichts machen. (Quelle: SZ München)

Als am 20. Februar der tschechische Ministerpräsident Petr Necas der bayerischen Staatsregierung einen Besuch abstattet, protestieren Mitglieder der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“ (SL) dagegen. Necas besucht auch die KZ Gedenkstätte Dachau. SL-Aktivist_innen um den stellvertretenden Vorsitzenden der SL-Bayern, Johann Slezak aus München wollen mit einer Kundgebung an der KZ Gedenkstätte gegen ihre Vertreibung in Folge der Naziverbrechen protestieren. Slezak, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender des rechten revanchistischen „Witikobunds“ ist, lässt sich aber von anderen SL-Funktionären überreden die Kundgebung nicht durchzuführen. Stattdessen protestieren sie u.a. am Max-Josephs-Platz in München. (Quelle: Dachauer SZ, AIDA Chronologie Februar 2013)

April

Anfang April werden am Bahnhof in Röhrmoos zwei Dutzend Aufkleber des bayerischen Kameradschaftsdachverbands „Freies Netz Süd“ (FNS) verklebt. (Quelle: Antifa)

In der Woche vor Ostern, 29.März bis 1. April, will das „Freie Netz Süd“ (FNS) in Petershausen Flyer für den Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai in Würzburg verteilt haben. Das schreiben sie in einem Artikel vom 3. April auf ihrer Homepage. Am Bahnhof in Petershausen sind drei Aufkleber des FNS mit dem Werbeslogan zum 1. Mai hinterlassen worden. (Quelle: Antifa)

Ebenfalls werden Anfang April in der Pollnstraße in Dachau 30 Aufkleber der NPD-Jugendorganisation JN („Junge Nationaldemokraten“) und der im FNS aufgegangenen Kameradschaft „Nationale Solidarität Bayern“ (NSB) verklebt. (Quelle: Antifa)

Als am 13. April in München eine antifaschistische Demonstration anlässlich des NSU Prozesses stattfindet, versucht auf der Höhe Hauptbahnhof eine Frau am Rande der Demonstration die Teilnehmer_innen zu provozieren, indem sie schreiend eine Deutschlandfahne hochhält. Sie wird von der Polizei rasch entfernt. Wenige Stunden zuvor wurde die selbe Frau am Dachauer Bahnhof gesichtet, wo sie sich mit Freunden traf. (Quelle: Antifa)

In der zweiten Aprilwoche werden im City Bus Hakenkreuze und 88 auf Sitze geschmiert. (Quelle: Antifa)

Ende April werden im Museum der KZ Gedenkstätte Dachau jüdische Gedenktafeln geschändet. An drei Gedenktafeln für die Opfer der Shoah werden Davidsterne zerkratzt oder abgerissen. Während der Präsident des Internationalen Dachau Komitees (CID) Pieter Dietz de Loos den Vorfall als einen „Beweis mehr für den abscheulichen Antisemitismus“ bezeichnet, hält es die Polizei für „unwahrscheinlich“, dass die Tat einen antisemitischen Hintergrund haben könnte. Es könne sich bei dem Täter auch um einen „Souvenirjäger oder Schüler“ handeln. (Quelle: Dachauer SZ) Weiterlesen

Veranstaltung am 26.11.13: Faschismus, Kapitalismus & die Rolle des Staates – Zwischenstand zum NSU Komplex

Vortrag und Diskussion mit einem Genossen der operaistischen Zeitschrift Wildcat

19:30 Uhr
Eine Welt Haus München
Großer Saal
Schwanthalerstr. 80

“Es dürfen keine Geheimnisse bekannt werden, die das Handeln des Staates
beeinträchtigen.” Unter diesem Motto gehen bis heute staatliche
Stellen daran, die Öffentlichkeit über die beispiellose Mordserie des
NSU zu “informieren”. Vom Abtauchen der neofaschistischen Zelle 1998 in
Jena bis zum Auffliegen des NSU im November 2011, begingen die
NaziterroristInnen insgesamt neun Morde an Migranten, töteten eine
Polizistin und verübten mehrere Sprengstoffanschläge. Dreizehn Jahre
wurden sie dabei von annähernd 200 Personen aus der Naziszene
unterstützt, wovon ein erheblicher Teil als Spitzel bzw. V-Leute im Sold
staatlicher Geheimdienste stand.
Daher stellt sich die Frage: Wie groß war bzw. ist der Anteil diverser
staatlicher Dienststellen (Verfassungsschutz, BKA, MAD, Polizei) am
Aufbau und der Ausbildung, Finanzierung und Lenkung der militanten
Naziszene?
Antifaschismus darf sich nicht nur auf den Kampf gegen FaschistInnen und
Rassismus beschränken, sondern muss auch die Spaltungsstrategien des
Kapitals sowie staatliche Herrschaftsinteressen im Blick behalten.
Deswegen haben wir einen Genossen der Zeitschrift WILDCAT eingeladen,
der in einem Vortrag auf die Rolle des Staates im NSU-Komplex eingehen
wird und den Bogen von Nazis, ihren Verbindungen in Söldnerwesen bis hin
zum Tiefen Staat und Stay-behind-Strukturen der Nato zieht.

Veranstalter_innen:
assoziation autonomer umtriebe dachau
Antikapitalistische Linke München
FAU München
Rote Hilfe Ortsgruppe München

Repression nach militantem Protest – Solidarität mit den Ford-Kolleg_innen

Nach militanten Protesten von Ford-Arbeiter_innen gegen eine geplante Werksschließung im belgischen Gent am 7. November 2012 vor der Ford-Zentrale in Köln, geht die Staatsanwaltschaft gegen vermeintliche „Rädelsführer“ mit Anklagen vor.
Der Vorwurf lautete zuerst „schwerer Landfriedensbruch“. Seit einer Woche hat der Solidaritätskreis 7. November die Repression öffentlich gemacht. Es wurden bei 11 Kolleg_innen mittlerweile die Verfahren eingestellt, aber 13 weitere sollen noch Strafbefehle bekommen. 12 Geldstrafen und eine Haftstrafe von 10 Monaten auf Bewährung wegen „gefährlicher Körperverletzung“ (angebliche Knalltraumata bei Polizisten durch Böllerwürfe) stehen im Raum. Alle Betroffenen haben Widersprüche eingelegt.

Aktuelle Infos gibt es unter solikreis07nov.wordpress.com

Wir dokumentieren hier den Aufruf des Solidaritätskreises

Wir wollten unsere Kölner Kollegen warnen. Jeden Tag kann es passieren, dass die da oben weitere Stellenstreichungen und ganze Werksschließungen verabschieden. (Zitat eines Genker Kollegen im Express, 8.11.12)

Am 7. November protestierten 250 Beschäftigte und Gewerkschafter aus dem belgischen Genk vor der Ford-Europazentrale in Köln gegen die geplante Schließung ihres Werks.
Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Köln Ermittlungsverfahren gegen 15 belgische Ford-Arbeiter und einen solidarischen Kollegen aus Köln eingeleitet. Der Vorwurf lautet auf “Rädelsführerschaft” in einem “besonders schweren Fall von Landfriedensbruch”. Die Strafandrohung darauf lautet auf Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Was war passiert?
Zwei Wochen zuvor, am 24. Oktober, hatte der US-Autobauer Ford angekündigt, den Produktionsstandort Genk mit 4300 Beschäftigten bis Ende 2014 zu schließen. Rechnet man alle Arbeitsplätze zusammen, die vom Genker Werk abhängen, kommt man auf etwa 10.000. Die Werksschließung bedeutet also das wirtschaftliche Ausbluten einer ganzen Region in Belgien.
Als Ford-Beschäftigte aus Köln von der Werksschließung und den beginnenden Protesten ihrer Genker Kollegen erfahren haben, wandten sie sich an ihren Betriebsrat mit dem Vorschlag, die Kollegen zu unterstützen. Die lapidare Antwort der IG-Metall-Funktionäre: Man habe leider keine Telefonnummer in Belgien. Die Koordination einer Solidaritätsaktion sei daher nicht möglich.
Daraufhin haben einige Kölner KollegInnen selbst die Initiative ergriffen und sind zu einem Solidaritätsbesuch nach Genk gefahren. Dort wurden sie mit offenen Armen empfangen. Aus dem Treffen entstand die Idee einer Aktion der Genker Beschäftigten während der Sitzung des Europäischen Betriebsrats in der Europazentrale in Köln. Die Forderung der Genker Kollegen: Verteilung der Produktion von Ford auf alle europäischen Standorte statt Schließung des Genker Werks.

Am 7. November brachen etwa 250 Genker Autobauer in 5 Bussen nach Köln auf. Sie betraten das Werksgelände, gingen zu Gebäude A und forderten dort den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Hinkelmann zu einem Gespräch auf. Statt die BesucherInnen mit offenen Armen zu empfangen und zu unterstützen, versuchte dieser die Kollegen mit Verweis auf die von ihnen in Genk geplante Demonstration am folgenden Sonntag zu beschwichtigen. Viele der Zuhörer beantworteten Hinkelmanns Rede mit Buh- und Zwischenrufen.

Amoklauf der Polizei
Was dann folgte, verschlug vielen die Sprache: Als die Genker KollegInnen das Werksgelände nach einer kurzen Besetzungsaktion verließen, wurden sie von einem massiven Polizeiaufgebot aus mehreren Hundertschaften angegriffen und eingekesselt. 120 Streifenwagen und ein Hubschrauber wurden gegen die protestierenden ArbeiterInnen eingesetzt. Weiterlesen

Werkerinfo #14 erschienen – Betriebszeitung MAN Werk München

Von offizieller Seite wurde uns jetzt bestätigt, dass es einige krankheitsbedingte Kündigungen gab und weiter geben wird.
Lasst euch nicht einschüchtern! Haltet die 3-wöchige Frist zur Kündigungsschutzklage ein und geht sofort zum Anwalt_zur Anwältin! Es können viele Kündigungen zurückgezogen werden, wenn man gerichtlich dagegen vorgeht. Es ist sehr wichtig, dass ihr das nicht einfach so hinnehmt, selbst wenn ihr die Firma verlassen wollt. Denn selbst wenn ihr die Firma verlassen wollt, könnt ihr nach einer Wiedereinstellung eine Abfindung fordern. Außerdem wird euch das gesamte Gehalt zwischen Kündigung und Wiedereinstellung nachgezahlt. Geht am besten zu einer Anwaltskanzlei, von der ihr Gutes gehört habt, nicht zu denen, die euch der Betriebsrat bzw. die Gewerkschaft empfiehlt!
Meldet euch bei uns, wenn ihr gekündigt wurdet oder etwas zu dem Thema sagen könnt.

Keine weiteren Einsparungen – Schluss mit den Kündigungen!
Organisieren wir den Widerstand!

Ganze Zeitung lesen bei werkerinfo.tk

Rhön Klinikum AG mehrheitlich an Fresenius-Helios verkauft

Mitteilung der Unabhängigen Betriebsgruppe Amperkliniken Dachau. Dem Konzern Rhön Klinikum AG gehören 95% der Anteile an der Amper Kliniken AG

„Nun ist es soweit. Der Klinikkonzern Rhön Klinkum AG wird an die Helios GmbH, eine, Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius, verkauft. Damit entsteht der europaweit größte Klinikkonzern mit 90.000 MitarbeiterInnen und einem Marktanteil von 6-7%. Diese Entwicklung war absehbar. Weder Rhön noch Fresenius haben aus ihrem Vorhaben ein Geheimnis gemacht.

Der erste Versuch ging daneben
War der erste Übernahmeversuch vor einem Jahr noch gescheitert, da sich direkte Konkurrenten des neuen Großkonzerns bei Rhön Anteile besorgten und letztlich die Übernahme vereitelten. Bernd Broermann, Chef des dritten großen Klinikkonzerns Asklepios und der Medizintechnik Hersteller und Rhön-Zulieferer B.Braun halten je 5% Anteile. Ein Verkauf von 90% der Aktien scheiterte so knapp. Im Juni 2013 wurde auf der Aktionärsversammlung der Rhön AG allerdings die Hürde herunter gesetzt. Gegen die Stimmen von Broermann und B.Braun. Bei der Abstimmung wurden die Stimmen von B.Braun aber nicht berücksichtigt, da sie, so Rhön Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Eugen Münch, nicht „ordnungsgemäß legitimiert“ gewesen seien. Braun wollte das Ergebnis anfechten.
Bei einer Aufsichtsratssitzung der Rhön AG am 12.9.13 wurden die Rhön-Vorstände informiert, dass es jetzt zu einem Verkauf kommt. Am Freitag, den 13.9.13, wurden die KollegInnen in den einzelnen Kliniken per Mitteilungsblatt und Informationsveranstaltungen darüber informiert.

Die Fakten – Die Beschäftigten
Der Verkauf soll zum Jahreswechsel über die Bühne gehen. Voraussetzung ist eine Zustimmung des Bundeskartellamtes. Eine Monopolstellung hätte der fusionierte Konzern so der so. Von den insgesamt 53 Rhön-Kliniken werden 43 an Helios übergeben, sowie 15 MVZ (Medizinische Versorgungszentren) und 14 Servicegesellschaften. Die restlichen 10 Rhön-Kliniken bilden dann die so genannte „neue Rhön“. Dabei handelt es sich u.a. um die Zentrale in Bad Neustadt a.d. Saale, die Universitätskliniken Gießen und Marburg, Frankfurt/Oder und Bad Berka. Dem liegen kartellrechtliche Aspekte zu Grunde. Es soll so keine regionale Vormachtstellung im steten Wettbewerb entstehen. Die „neue Rhön“ wären mit 15.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 1 Mrd. Euro auf Platz vier der bundesdeutschen Klinikkonzerne. Sie kündigen aber bereits an, mit Helios/Rhön eng kooperieren zu wollen.
Zu Helios stoßen nun 33.000 ehemals Rhön Beschäftigte. Zusammen stehen Umsatzahlen von über 5 Mrd. Euro im Raum. Die Übernahme lässt sich Fresenius 3,07 Milliarden Euro kosten. Weitere 30 Millionen, sowie 10 Millionen von Rhön, sollen innerhalb der nächsten 5 Jahre investiert werden. Allein diese Zahlen, die die Vorstellungskraft von DurchschnittsverdienerInnen weit übersteigen, verdeutlichen, dass hier der Schritt in eine andere Liga angetreten wurde. Man möchte nun zu den ganz Großen gehören. Fresenius-Chef Ulf Schneider äußerte, der Erwerb der Rhön AG sei ein „bedeutender Schritt im weiteren Ausbau unseres Krankenhausgeschäfts.“ Wie wahr. Denn um nichts anderes als ein Geschäft handelt es sich hier. Weiterlesen

Polizeigewalt gegen Flüchtlingsproteste

Kaum hatte der Protestmarsch der Non Citizens die Grenze des Landkreis Dachau hinter Karlsfeld passiert, wurde er von der Polizei angegriffen. Wie bereits einen Tag zuvor bei Freising wurde das in Dachau stationierte USK eingesetzt.
Heute Demonstration an der Münchner Freiheit

Siebte Pressemitteilung vom 2.9.13

Verhaftungen und Verletzte auf Protestmarsch vor Feldmoching – Repression gegen Refugee Struggle for Freedom

„Als der Protestmarsch der Route A heute gegen 16:50 Uhr auf dem Weg nach Feldmoching in der Nähe der Autobahn 99 angelangt war (Auf den Schrederwiesen), wurde die Brücke auf der sie sich gerade befanden, von über hundert Einsatzkräften der Polizei und USK-Einheiten gesperrt.

In kürzester Zeit wurden die Teilnehmer_innen des Protestmarschs von den Einsatzkräften eingekesselt und attackiert. Dabei wurden Menschen sehr brutal, unter anderem an den Beinen, aus der Gruppe herausgezerrt, an den Haaren gezogen und getreten. Danach wurden ihnen Handschellen angelegt und sie wurden am Straßenrand festgehalten. Aufgrund der Verletzungen war mindestens ein Sanitäterwagen vor Ort. Unter anderem wurde eine aus dem Ohr blutende Person gesichtet. Allerdings verhinderte die weiträumige polizeiliche Absperrung sowie die enge Einkesselung durch die Einsatzkräfte, dass das genaue Geschehen von außen beobachtet werden konnte, daher liegen bisher nur wenige exakte Informationen vor.
Mittlerweile ist der Polizeikessel aufgelöst und alle Personen, die sich im Innern befanden, werden entweder noch vor Ort festgehalten oder sind bereits von der Polizei weggebracht worden. Einige Teilnehmer_innen wurden in Gewahrsam genommen und in dem Münchner Polizeipräsidium in der Ettstraße festgehalten. Zwei Unterstützer_innen sind mittlerweile von dort frei gelassen worden, noch ist unklar, wie viele weitere Personen sich dort befinden. Nach Aussagen der Polizei sollen neun Non-Citizens heute noch freigelassen werden, alle übrigen sollen zurück zu den ihnen zugewiesenen Lagern gefahren werden.

Die bisherigen Informationen zeigen, dass heute mit ähnlicher Brutalität gegen die Protestierenden auf der Route A vorgegangen worden ist wie bereits gestern auf der Route B des gemeinsamen Protestmarsches. Jedoch hat sich die heutige Einsatzleitung dazu entschieden, ihren Einsatz auf einer abgelegenen Autobahnbrücke durchzuführen, wo mit weniger Öffentlichkeit zu rechnen war. Beim gestrigen Einsatz, der innerhalb der Ortschaft Freising stattfand, hatte es breite Solidarität von den Anwohner_innen gegeben, die über das Vorgehen der Polizei entsetzt waren und diese vehement zum Abbruch der Aktion zu drängen versuchten. Möglicherweise sollte solch eine Szene am heutigen Tag vermieden werden.“

Die Mediengruppe des „Refugee Struggle for Freedom“
refugeestruggle.org