Artikel in der (münchner)Freiheit Nr. 3
Dachau, Stadt des ersten deutschen Konzentrationslagers, Stadt in der Lokalpolitiker_innen(Landrat, MdL, Schriftführer der Jungen Union)offen revanchistische Positionen(z.B. am „Tag der Heimat“ 4.9.05) vertreten, in der Übergriffe von Nazis auf Andersdenkende verschwiegen werden, in der einer der grössten Wahlfälschungsskandale nicht das geringste öffentliche Echo hervorrufen. Stadt in der CSU, Katholische Landjugend, Heimat- und Trachtenvereine mit den Böllerschützen und den Kriegsveteranen in glückseeliger Koexistenz nebeneinander her vegetieren………….
in dieser Stadt gibt es auch noch Jugendliche! Aber man sieht sie nicht! Die, die keine Lust auf Schlagerdisco, Nobelcafes und andere überteuerte Schuppen haben, bleiben zu Hause, unter sich. Kohle um in München auszugehen ist oft nicht vorhanden. Die zunehmende Isolierung dieser Jugendlichen wurde noch verstärkt durch kontraproduktive Stadtarbeit der regierenden CSU: Schliessung öffentlicher Proberäume, Schliessung der Rockschmiede, wo selbstorganisierte Konzerte stattfanden. Jede nur erdenkliche Nische wurde dichtgemacht und so organisieren sich die Leute eigene Parties. Das latent revanchistische, katholisch-rassistische Klima in Dachau(die Geschichte wird hier grösstenteils ausgeblendet)erweist sich als Nährboden für eine alternative bis linke……..naja sagen wir mal Gegenkultur. Diese erstreckt sich zwar über den gesamten Landkreis,i st jedoch auf die jeweiligen, örtlich gebundenen Cliquen verteilt und ist auch keineswegs organisiert, geschweige denn politisch. Aber sie ist da: Alternative, Punks, Rastas zwischen 15 und 25.
Eben diese Ausgangssituation nahm sich ein Zusammenschluss meherer „Cliquen“ zum Anlass ein selbstverwaltetes JUZ auf die Beine zu stellen. Man glaubt ja gar nicht wie viele leer stehende Häuser es in Dachau gibt! Die Chancen stehen nach einem Interview in der Lokalpresse und Mund zu Mund Propaganda nicht schlecht, dass das Projekt durchaus Wellen schlagen könnte. Sogar die Stadt (bzw. die oppositionelle SPD) signalisiert behilflich zu sein, doch Vorsicht ist geboten bei Aussagen dieser Art.
Dieses Haus soll allen gehören! Geplant ist eine Mischung aus Jugendcafe und Infoladen:
Kulturelle Veranstaltungen wie Film-und Diavorträge, Konzerte(und je nach Räumlichkeit evtl. Proberäume für lokale Bands), Infos über Tierrechte & Vegetarismus, Beratungsstelle für arbeitsrechtliche Fragen in Ausbildung und Beruf, Diskussionsrunden und Vorträge über aktuelle politische Themen wie z.B. Globalisierung, Sicherheitskonferenz, die Zapatistas in Mexico, den 1.Mai., Widerstand in der BRD und v.a. antifaschistische Arbeit und Aktionen usw.
Offiziell soll das ganze von einem, auf basisdemokratischer Grundlage agierenden, Verein getragen werden. Natürlich können aber auch alle mitwirken die nicht Vereinsmitglieder sind. Die Zahl derer, die sich aktiv beteiligen wollen wird immer grösser, auch die Besitzer diverser Häuser scheinen kooperativ. Zwar ist noch kein Haus fest in Händen, aber die Möglichkeit eins auf offiziellem Weg zu bekommen besteht. Sollte dies fehlschlagen, muss man sich andere Lösungen suchen!!
Es gab in Dachau vor ein paar Jahren schon einmal den Versuch, ein Zentrum dieser Art zu gründen, aber die Sache scheiterte auf Grund des Mangels an Objekten. Dieses mal nicht!
Niemand wird sich abwimmeln lassen! Wir sind bereit und entschlossen das durchzuziehen, mit oder ohne Stadt, aber auf jeden Fall mit Herz, Verstand und Phantasie!!
SOZIALE ZENTREN DURCHSETZEN
FREIRÄUME VERTEIDIGEN
FÜNF FINGER SIND EINE FAUST!