Januar
Die bundesweiten Bauernproteste kommen auch im Landkreis Dachau in Fahrt. Am Morgen des 8. Januar ruft der Bayerische Bauernverband (BBV) zu einer Kundgebung in München auf. Zu dieser begeben sich die einzelnen Landwirte auf einer Sternfahrt mit ihren Traktoren, um den Berufsverkehr zu blockieren. Hintergrund ist die von der Regierung geplante Streichung von Vergünstigungen beim Agrardiesel und bei der KfZ-Steuer.
Der grundsätzlich legitime Protest findet nicht nur in der Bevölkerung Zuspruch, sondern auch in den konservativem bayerischen Regierungsparteien CSU und Freie Wähler (FW), die die Proteste als Vehikel für Kritik an der Bundesregierung nutzen und sich darüber hinaus seit jeher als politisches Sprachrohr des Standes der Landwirte betrachten. Im Gegensatz zur ablehnenden Rhetorik bei Blockaden durch Klima-Aktivist*innen werden die Blockaden der Landwirte gelobt. Landrat Stefan Löwl (CSU) zeigt – wie schon ein Jahr zuvor bei den Corona relativierenden Spaziergängen – nicht nur „volles Verständnis“, sondern sieht darin „ein starkes Zeichen“ gegen die Politik der Regierung. Auch die extreme Rechte springt milieuübergreifend auf die Proteste auf und versucht dort zu punkten. Der BBV-Obmann im Landkreis Dachau Sedlmair sagt gegenüber der Lokalpresse, man wolle sich „weder von rechts noch von links“ unterwandern lassen und poltert „die ganze Politik ist für mich langsam nur noch eine Lüge“.
Obgleich kleine Höfe als so genannter Nebenerwerb de facto ums Überleben kämpfen, wird die Tatsache unterschlagen, dass der Bauernstand in der EU massiv subventioniert wird und Landwirte Privilegien besitzen von denen Geringverdienende nur träumen können. Auch wird in den gesamten Protesten nicht zwischen kleinen Höfen und wohlhabenden Großbauern mit erheblichem Besitz an Grund unterschieden.
Soziale Spaltung ist kein Thema, was sich im Verlauf der Proteste zeigen wird, in dem man sich versucht mit Kleinunternehmen, Selbständigen und deren Verbänden zu verbünden und verbal nach unten tritt. Man bringe Leistung – was ihnen niemand abspricht – gleichzeitig wird sozial schlecht gestellten Bevölkerungsteilen die Erbringung dieser kategorisch abgesprochen. An den Traktoren befestigte Schilder mit Parolen verdeutlichen diese Vereinfachung und Ausblendung. Aufschriften wie „Wenn die Ampel ausfällt gilt rechts vor links“ sind zwar mehrdeutig, eine offene Positionierung oder Sympathie mit der extremen Rechten findet zu diesem Zeitpunkt im Landkreis nicht statt. Andererseits kommt den Organisator*innen nicht in den Sinn, dass eventuell viele Arbeiter*innen und sozial Benachteiligte sich mit den Protesten identifizieren könnten, vielmehr schließen sie einen solchen Zusammenschluss von Beginn an aus. (Quelle: Dachauer SZ) Weiterlesen