Warum wir mit dem Lokführer*innenstreik solidarisch sind

Seit Mittwoch, den 11.08.21 um 2:00 Uhr findet der seit 2015 größte Streik der Lokführer*innen statt. Bis Freitag, 13.08. werden der Fern-, Nah- und Güterverkehr bestreikt. Es geht der zum Streik aufrufenden Gewerkschaft GDL um mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Natürlich sind wir mit dem Streik solidarisch, v.a. weil wir uns Solidarität auch in unseren Kämpfen um weniger Arbeit und mehr Lohn wünschen, aber hier geht es noch um viel mehr.

Bashing unserer Kolleg*innen ist inakzeptabel

Fulminante 95% der Gewerkschaftsmitglieder stimmten für diesen Streik, bei einer Beteiligung von 70% an der Urabstimmung. Das widerlegt die in der Öffentlichkeit verbreitete Reduzierung des Streiks auf den GDL-Vorsitzenden. Dieser Streik wird von einer klaren Mehrheit der Arbeiter*innen getragen. Wie bei allen Lokführer*innenstreiks wird das mediale Bashing gegen die kämpfenden Kolleg*innen nicht ausbleiben. Weiterlesen

Ganz in deiner Nähe: Streiks im Einzelhandel – Protest am Krankenhaus

Sinkende Inzidenzwerte und steigende Temperaturen lassen auch in Betrieben letztere nach oben klettern. Die so genannten „systemrelevanten“ Arbeiter*innen machen sich in der Umgebung wieder bemerkbar, allerdings in unterschiedlicher Form. In ihrer Zusammensetzung ähneln sich die beiden Branchen dennoch, sind sie überwiegend weiblich und/oder migrantisch, v.a. aber schlecht bezahlt mit miesen Arbeitsbedingungen und man setzt ihre permanente volle Leistung als selbstverständlich voraus. Die Aufmerksamkeit der Bevölkerung gegenüber diesen Kolleg*innen schwand schon vor dem Fall der Infektionsrate.

Streiks bei IKEA in Eching und Leder Hoffmann in Odelzhausen

Ein herkömmlicher Tarifstreit der noch herkömmlicheren Gewerkschaft ver.di wurde schlussendlich zu einem Aufruf zur Arbeitsniederlegung. Trotz Umsatz und Gewinnsteigerung im Einzelhandel ist die Gegenseite nicht bereit, der moderaten Forderung nach 4,5% mehr Lohn, plus 45 Euro mehr und einem Mindeststundenlohn von 12,50 Euro in den unteren Lohngruppen nachzukommen. Im Corona Jahr 2020 wurde laut Statistischem Bundesamt ein Rekordumsatzplus von nominal 7,9% im bayerischen Einzelhandel erreicht – von den Arbeiter*innen versteht sich. Weiterlesen

Am 15. April ist Steal Something From Work Day

Dokumentiert und gefunden bei CrimethInc.

„Arbeitet dein Chef weniger als du, verdient aber mehr? Schwirrt jemand in einem Privatjet auf deine Kosten herum? Wenn das Unternehmen am Ende des Tages Geld verdient, bedeutet das, dass es dir nicht den vollen Wert deiner Arbeit zahlt – so entsteht der Gewinn eines Unternehmens! Wenn du also etwas an deinem Arbeitsplatz brauchst, nimm es. Du hast es dir verdient!

Klaue etwas von deiner Arbeit! Du kannst es mit deinen Freund*innen teilen oder es deiner Familie geben – der Familie, die du wegen deines Jobs nie siehst. Du könntest es selbst nutzen, um etwas zu tun, von dem du schon immer geträumt hast – vielleicht etwas, das all das Potenzial nutzt, das in dir steckt, dass du aber nicht nutzen kannst, weil du die ganze Zeit für jemand anderen arbeiten musst. Weiterlesen

Dritte Welle, Lockdown, Unternehmensinteressen

Update: 24.3.21 Der Staat knickt vor den Interessen des Kapitals ein, Beschluss der „Ruhetage“ zurück genommen.

Nachdem vorgestern neue Lockdown Regelungen beschlossen wurden (1) stellt sich immer mehr die Frage nach der Sinnhaftigkeit staatlicher Maßnahmen, wem sie nutzen und wem sie rein gar nichts nutzen.

Ein paar Anregungen zur Diskussion in verdammt schwierigen Zeiten.

First of all: Eine dritte Welle war absehbar. Die Lockerungen vor zwei Wochen haben die Infektionslage beschleunigt. Zum ersten Mal wurden jetzt Ansätze eines wirtschaftlichen Lockdowns beschlossen. Bisher wurde versucht inhaltlich alles auf individuelles Verhalten zu beschränken, und das Leben an sich als Entfaltung in der Freizeit betrachtet, aber ausgeblendet, dass man früh morgens aus den beengten Wohnverhältnissen in voll besetzen Bussen und Bahnen zum unterbezahlten Arbeitsplatz ohne ausreichend Sicherheitsabstand gelangt. Weiterlesen

Keine Kündigungen bei MAN Karlsfeld?

Es kam wahrlich überraschend, was über die Medien bekannt gegeben wurde. MAN verkündete vergangene Woche auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Nachdem im September eine Jobgarantie, die eben für diese Szenarien abgeschlossen wurde, einseitig von der Konzernspitze gekündigt  wurde, war es der Plan im gesamten MAN Konzern 9500 Stellen in Deutschland und Österreich zu streichen. Für das Hauptwerk in Karlsfeld standen 3000 Kündigungen im Raum. Weiterlesen

Shutdown in der Klassengesellschaft

Beitrag von solidarisch gegen corona  bezüglich der Debatte um ZeroCovid | veröffentlicht am 23.01.21 in Analyse & Kritik

Warum die Forderungen von ZeroCovid kein Lockdown von unten sind

Seit Beginn der Pandemie vor zwölf Monaten hat die deutsche Linke es weitgehend versäumt, eine eigenständige Position zur gesundheitlichen, ökonomischen und sozialen Krise zu entwickeln und politisch zu artikulieren. Einer libertären, rechtsoffenen Mischbewegung von »Corona-Skeptiker*innen« gelang es hingegen, die vakante Stelle der außerparlamentarischen Opposition zu besetzen. Sie konnte sich medial als einzige wahrnehmbare Alternative zum lagerübergreifenden Konsens in der Corona-Krise präsentieren, auch wenn der gesellschaftliche Zuspruch weitgehend ausblieb. In der entstehenden Polarisierung stellte sich die Linke unter antifaschistischen Vorzeichen an die Seite des herrschenden Zentrums und verteidigte das Krisenmanagement der Regierung als geringeres Übel gegen den Sozialdarwinismus der Rechten. Die Zufriedenheit mit der Regierungspolitik war zunächst hoch.

Zwar gelang es der Linken, Aufmerksamkeit für das harte Los benachteiligter Gruppen in der Pandemie zu wecken – Geflüchtete in Sammelunterkünften und migrantische Arbeiter*innen in der Lebensmittelindustrie –, aus diesen verstreuten Kritiken entstand jedoch keine Bewegung. Weiterlesen

The health crisis and the forced return to work

Aus aktuellen Anlässen, wie der Aktion am Dachauer Klinikum und den Warnstreiks in Kliniken im öffentlichen Dienst, ein Text über Gesundheit während COVID-19, das Gesundheitssystem im Kapitalismus und wo Arbeiter*innen am besten ansetzen. Der Text behandelt die Situation in Frankreich.

Mouvement Communiste | Kolektivně proti kapitálu
14. Oktober 2020

IN THE HOSPITAL, AS IN THE FACTORY AND THE OFFICE, THE STRUGGLE FOR HEALTH IS A STRUGGLE FOR WAGES AGAINST THE BOSS-STATE

The health crisis and the forced return to work

Covid is starting to hit hard again. But this time the state and the bosses have stopped spouting
the nonsense about how their absolute priority is to preserve the health of the population. They have
simply decided to place the economy (which means maintaining profits) at the top of their agenda.
This is why they are doing everything they can to get workers going to work, taking public transport in excessive numbers and beginning to go shopping again to relaunch internal consumption. From now on, health has become a dependant variable of work and not vice versa. Weiterlesen

Arbeiter*innenaktion am Helios Klinikum – Massiver Stellenabbau bei MAN

Meldungen aus den Großbetrieben im Raum Dachau

Helios Amper Klinikum Dachau
Am 18.9.20 trafen sich 40 Beschäftigte des Helios Amper Klinikums zu einer Aktion vor dem Haupteingang, um klarzustellen, dass sie die beschissenen Arbeitsbedingungen, die Ignoranz gegenüber ihren Anliegen nach mehr Personal und auch den Druck von Seiten des Helios-Konzerns nicht weiter hinnehmen wollen. Bereits Ende Juni machten die Arbeiter*innen mit einer Aktion in der Altstadt darauf aufmerksam(1). Trotz einem horrenden Mangel an Schutzmaterialien (2) und einem jahrelang vorherrschenden Personalmangel haben sie die Klinik während Corona auf Laufen gehalten. Im Aufruf schreiben sie keinerlei „Verschaufpause“ gehabt zu haben. Statt einem finanziellen Zuschlag oder auch nur netten Worten gab es im Nachgang nichts. Und der Klinikkonzern ist sogar noch stolz darauf, verkündet es gebe keine Probleme, sämtlichen Vorwürfen wird widersprochen. Zynisch gab man gegenüber der Lokalpresse an, die Arbeitsbedingungen seien genauso wie vor der Pandemie. Weiterlesen

Support Anarchists & Antifascists in Belarus


Spendenaufruf von Anarchist Black Cross Belarus:

„Starting from August 9, there are protests in Belarus against the incumbent president demanding his resignation and release of political prisoners. Anarchists also take part in the protests; sometimes they identify as such, in other times, they choose to participate as affinity groups to spread their ideas rather than popularize the symbols. You can follow the situation through anarchist optics at pramen.io

Interview mit dem anarchistischen Kollektiv Pramen bei Crimethinc – Stand Mitte August

Seit einem Monat sind die Menschen im gar nicht so fernen Belarus im Aufstand, im Aufstand gegen eine postsowjetische staatskapitalistische Diktatur. Ein offensichtlich gefälschtes Wahlergebnis war der Auslöser. Die bürgerliche Opposition lässt nicht viel durchblicken, was sie konkret ändern möchte. Ebenso ist sie kein einheitlicher Block. Vielmehr war die Kandidatin der Opposition Swetlana Tichanovskaja eine Notlösung, da ihr Ehemann als eigentlicher Kandidat im Knast sitzt. Ein weiterer Kandidat, bezeichnenderweise ein Bankmanager, Wiktar Babaryka kam schon im Juni in den Knast wegen des Vorwurfs der Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Es gibt hinreichend Grund zu der Annahme, dass dem Sturz der Diktatur eine flächendeckende Privatisierung der Staatsbetriebe folgen und die neoliberale Epoche der Nachbarstaaten nachgeholt wird.
Die Menschen, die auf die Straße gehen, haben hauptsächlich das erklärte gemeinsame Ziel die Diktatur zu stürzen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Ausschlaggebend sind dabei nicht Erklärungen von irgendwelchen Promis oder Künstler*innen, die die westlichen Medien so gerne hervorheben. In Richtung Revolution geht es, wenn die Arbeiter*innen in den Streik treten und so sah es im August in weiten Teilen aus.¹ Weiterlesen