
Beschäftigte des Helios Klinikum Dachau protestierten am Donnerstag, den 28.08.25 dagegen, dass der führende Klinikkonzern den Pflegekräften auf den Stationen die Reinigung der Betten aufbrummen will. Dafür wurde von den Beschäftigte selbst zu einer Aktiven Mittagspause aufgerufen, in der während der Pause gemeinsam und solidarisch Stellung bezogen und das Vorgehen des Konzern einer massiven Kritik unterzogen wurde.
Was beim ersten Hören wie ein Scherz anmutet ist bittere Realität. Bereits 2023 wurden Abteilungen im Niedriglohnbereich aufgelöst und die Kolleg*innen gekündigt – der Fahrdienst zu und von Operationen und Untersuchungen, sowie das komplette Catering. Die Aufgaben wurden den Stationsteams zugeteilt, welche seit Jahren elementare Überlastung durch zu wenig Personal anprangern. Der blanke Hohn, dass nun weitere Aufgaben auf sie zukommen. Laut den Protestierenden wird bereits mit der Umsetzung begonnen.
Man sieht erneut ganz deutlich, was dabei heraus kommt, wenn man öffentliche Einrichtungen Konzernen überlässt, die das Klinikum nach den Regeln des kapitalistischen Marktes einem Sparkurs nach dem anderen unterwerfen – und dabei im Gegensatz zu kommunal geführten Kliniken fetten Gewinn machen. Aber nicht genug für die Konzernmutter, den weltweit tätigen Gesundheitskonzern Fresenius. Für die Profite des Konzerns müssen andere sprichwörtlich bluten. Die Aktionäre bekommen Dividenden ausgeschüttet, die größte Gruppe der Pflegekräfte bekommt prekarisierte entfremdende Arbeitsbedingungen, die verbliebenen Beschäftigten in den Niedriglohnbereichen bekommen Lohn, der nicht zu Leben reicht. Und die Bevölkerung des Landkreises eine immer schlechter werdende stationäre Versorgung. Das ist die Topliste, weshalb es sich lohnt sich aufzulehnen. Die Liste ließe sich ohne weiteres fortsetzen.
Nachdem man vor zwei Jahren versuchte – genau während der Auflösung der genannten Abteilungen – breite Gegenwehr zu organisieren und eigene Forderungen zu stellen, wurden Einzelne, v.a. ein Kollege monatelang unter Druck gesetzt. Schön zu sehen, dass nun wieder was geht.
Eine Besonderheit am Klinikum war stets der unabhängige Ansatz der Aktiven, die autonom von Gewerkschaft und politischen Organisationen über Jahre eine Betriebszeitung herausgaben und sich v.a. zu Beginn der Pandemie als Bündelung der materiellen Interessen der Arbeiter*innen – über Berufsgruppen hinweg – öffentlich zu Wort meldeten. Dabei versuchten sie explizit „Stimmungen eine Stimme zu geben“, wie sie selbst sagen. Kein Wunder, dass ein Konzern dieser Größenordnung einen solchen stetigen Unsicherheitsfaktor versucht mit Gegenwind zu beseitigen. Umso besser, wenn dies offensichtlich nicht von Erfolg gekrönt ist. Bereits Anfang des Jahres beim Streik am 06. März zeigte sich, dass sich wieder etwas regt im Betrieb. Und es scheint auch jetzt nicht mit einer einmaligen Aktion getan zu sein, das äußerten sie klar und deutlich. Denn der Konzern dürfte in Dachau keine Ausnahme seines Einsparungsplans zu machen. Daher ist es nötig, dass die Kolleg*innen auch von außen unterstützt werden.
Klinikkonzerne enteignen und zerschlagen