Keine Kündigungen bei MAN Karlsfeld?

Es kam wahrlich überraschend, was über die Medien bekannt gegeben wurde. MAN verkündete vergangene Woche auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Nachdem im September eine Jobgarantie, die eben für diese Szenarien abgeschlossen wurde, einseitig von der Konzernspitze gekündigt  wurde, war es der Plan im gesamten MAN Konzern 9500 Stellen in Deutschland und Österreich zu streichen. Für das Hauptwerk in Karlsfeld standen 3000 Kündigungen im Raum.

Der Betriebsrat zog vor‘s Arbeitsgericht. In Verhandlungen mit dem Konzern stellte dieser sich stur und beharrte auf seinem Vorhaben.

An einen Erfolg sie davon abzubringen glaubte niemand so recht, der IG Metall dominierte Betriebsrat dem Anschein nach selbst nicht, denn man zog es vor kleinere und größere Politiker*innen zu Appellen zu bewegen, statt die Arbeiter*innen für ihre Interessen zu bewegen. Wer letzteres ernsthaft erwartet, hat natürlich ein falsches Bild vom Wesen von Betriebsräten an sich. Doch dazu an anderer Stelle.

Sieht man sich den von beiden Seiten verkündeten „Meilenstein“ einmal an, wird man feststellen müssen, dass zumindest in Karlsfeld die Existenzen von 3000 Arbeiter*innen vorerst nicht gefährdet sind, der Konzern aber weiter an einem Abbau von bundesweit 3500 Stellen festhält. Werke in Plauen und Steyr stehen weiterhin von der Schließung. Ursprünglich geplante Auslagerungen nach z.B. Osteuropa offenbaren das wahre Gesicht. Es geht der Kapitalseite um billigere Arbeitskraft. Der größte Anteil an Kosten eines Unternehmens sind nun mal Personalkosten und auch wenn man diese Ameisen, die am Ende des Monats auch noch frech die Lohntüte aufhalten, braucht, um genügend Mehrwertabschöpfung zu gewährleisten, sind sie einfach auch verdammt teuer. Denn die Umstellung auf die Hälfte alternativer Antriebe bis 2025 und 60% Emissionsfreiheit bis 2030 dürfte Kosten verursachen.

Auch in Karlsfeld soll bis 2022 die Anzahl der Beschäftigten von derzeit 9000 auf 7500 gedrückt werden. Das bedeutet faktisch „kalte Kündigungen“, keine Verlängerung auslaufender Arbeitsverträge, Kündigung von Leiharbeiter*innen und Modelle der Altersteilzeit. Auszubildende sollen, wie ursprünglich erwogen, nicht gekündigt werden. Eine Übernahme am Standort ist nicht garantiert, man wolle aber „sicherstellen“, dass sie im Mutter-Konzern VW „unterkommen können“. Irgendwo statt nirgendwo. „Wir haben das Unternehmen nun für die Zukunft gut aufgestellt“, das sagt kein Konzernvertreter, so spricht ein IG Metall Funktionär im Aufsichtsrat. Der Personalvorstand und Arbeitsdirektor spricht von „Planungssicherheit“, wenn Du weißt, dass Du nicht demnächst die Kündigung im Briefkasten hast. Da sind wirklich lauter Wohltäter unterwegs, deren größte Sorge es ist, ob Du weiter Deine Miete zahlen kannst.

Wenn der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Stimoniaris äußert „Wir tragen Verantwortung für unsere MAN. Seit weit über 270 Jahren beweisen wir, dass sich die MAN auf eines immer verlassen kann: auf uns“ offenbart er eine nüchterne Wahrheit. Ja, Konzerne können sich auf Betriebsräte als einen Garant des sozialen Friedens verlassen. Am Ende nehmen sie es der Kapitalseite noch ab, ein Ergebnis egal welcher Art bei den Arbeiter*innen als Erfolg, Durchbruch oder „Meilenstein“ zu verkaufen. Davor sorgen sie noch dafür, dass während sie auf bequemen Stühlen verhandeln, Ruhe in den Werkshallen herrscht und die Produktion von Mehrwert uneingeschränkt fortgeführt werden kann.

Nichtsdestotrotz: 3000 Kolleg*innen, die nicht mehr um ihre Existenz bangen müssen, sind keine schlechte Nachricht. Aber um in der Krise ein handelnder Faktor zu werden, müssen wir Lohnabhängige noch einige Meilen zurück legen. Möglich ist das allemal und kommt manchmal plötzlicher als so manchen lieb ist. Greifen wir es an!