Arbeiter*innen blockieren Hafen von Genua

In der dritten Novemberwoche blockierten über 100 Hafenarbeiter*innen des Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali (CALP – Autonomes Hafenarbeiter*innen Kollektiv) den Hafen in Genau, um die Lieferung von Kriegswaffen zu verhindern oder zumindest zu blockieren. Außerdem forderten sie, stattdessen die Häfen für Geflüchtete zu öffnen. Autos und LKW, die in den Hafen gelangen wollten, wurden nicht nur vom CALP gehindert, sondern auch von brennenden Autoreifen.

Die Beteiligten agieren mit einer Selbstverständlichkeit, was mitunter damit begründet werden kann, dass das Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali schon seit knapp 10 Jahren existiert und immer wieder mit Aktionen von sich reden machte.

Dass sie nicht nur für ihre eigenen Interessen kämpfen, sondern diese im Kontext von Kämpfen anderer Menschen, in diesem Falle auf der Flucht befindlichen Menschen, setzen, ist sogar für italienische Verhältnisse bemerkenswert. V.a. in Italien ist die von der extremen Rechten diktierte Diskussion gegen die Aufnahme von Geflüchteten und gegen das Anlegen von Seenotrettungsschiffen allgegenwärtig. Krieg als Ursache für Flucht damit zu verbinden ist nur logisch und konsequent – und der Vertrieb von Kriegswaffen ist auch für den Waffenexporteur Deutschland von Belang. Genua dient als Umschlagsplatz für das Verschiffen von Waffen in Kriegsgebiete.

Seit 2019 gelingen dem CALP Blockadeaktionen, beginnend mit einer damals geplanten Lieferung der saudi-arabischen Firma „Bahri“ von Munition und Generatoren in den Nahen Osten. Die Arbeiter*innen sind der Meinung, dass sie kontrollieren können müssen, was sie verladen.

Seinen Ursprung hat das Kollektiv in militanten Protesten in Rom gegen den Sparkurs der damaligen Berlusconi-Regierung, an denen sich weit über hunderttausend Menschen beteiligten. Zurück in Genau trennten sie sich vom größten italienischen Gewerkschaftsverband CGIL und gründeten das CALP. Mittlerweile sind sie organisatorisch an die Basisgewerkschaft USB angegliedert. Auch am landesweiten Generalstreik am 18.10.21 gegen die Regierung Draghi und die „Padroni“ (Bosse), zu dem alle Basisgewerkschaften gemeinsam aufriefen, beteiligten sie sich in gewohnter Manier. 4000 Menschen liefen bei der Streikdemo durch Genua. Das CALP gemeinsam mit Krankenhausarbeiter*innen, Geflüchteten und Unterstützer*innen.

Ihre Tradition sehen sie im antifaschistischen Widerstand der Partisan*innen gegen Faschismus und Nazi-Deutschland und in den militanten Auseinandersetzungen um einen Parteitag des neofaschistischen MSI im Jahre 1960. Aktionen wie die des CALP, verdeutlichen den Nachholbedarf in der Bundesrepublik, was eigenständige Aktionen von lohnabhängig Beschäftigten betrifft. Das Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali beweist, dass es möglich ist. Oder in ihren eigenen Worten: „Du bist entweder dafür oder dagegen, es gibt keinen Mittelweg.“

Quellen/mehr Informationen:

https://www.infoaut.org/conflitti-globali/partito-da-genova-cargo-stipato-di-carri-armati-americani-destinati-ai-sauditi

https://www.woz.ch/2147/im-hafen-von-genua/erst-focaccia-dann-klassenkampf