Antifa Cafe: Operaismus – Untersuchung, Klassenzusammensetzung, Arbeiter_innenautonomie

Veranstaltung mit Roman Danyluk im Freiraum Dachau
Dienstag, 4. Juni 2013
19:00 Uhr

Roman Danyluk, Autor des Buches „Befreiung und soziale Emanzipation – Rätebewegung, Arbeiterautonomie und Syndikalismus“ (Edition AV 2012) gibt in seinem Vortrag einen Überblick über Theorie und Praxis des Operaismus.

Der Operaismus ist eine Strömung des Marxismus, entstanden im Italien Anfang der 60er Jahre um die Zeitschrift Quaderni Rossi (Rote Hefte). Die Quaderni Rossi untersuchte die Zusammensetzung der Industriearbeiter_innenschaft, v.a. im Norden Italiens. Dabei stießen sie auf einen neuen Typ von Arbeiter_innen, die so genannten Massenarbeiter_innen. Das Nachfolgeprojekt Classe Operaia (Arbeiter_innenklasse) versuchte nun anhand dieser Untersuchungen in Fabrikkämpfe zu intervenieren. Anfangs belächelt um ihre radikale Ablehnung von Partei und Gewerkschaften und verachtet für ihre Ansicht, dass das Kapital auf die Arbeiter_innenkämpfe reagiert und nicht umgekehrt, stellte sich Ende der 60er Jahre heraus, dass die Operaist_innen die Entwicklung der italienischen Arbeiter_innenkämpfe richtig deuteten. Es entstanden in den Industriezentren, u.a. in Turin, Mailand und Porto Marghera, militante, selbstorganisierte Kämpfe der Massenarbeiter_innen, die nicht nur autonom von Gewerkschaften und Partei stattfanden, sondern sich auch noch gegen die Arbeit an sich wendeten. Die Arbeiter_innen wollten nicht ihre Arbeit besser entlohnt sehen, sondern sie kämpften für deren Abschaffung und die Zerstörung der Maschinerie, welche sie täglich unterdrückte.
Es sollen allerdings auch die Defizite der Strömung, die den Begriff der Arbeiter_innenautonomie prägte, angesprochen werden, z.B. als die Kämpfe abflauten und sich das Offensivkonzept des Operaismus vor neue Fragen gestellt sah.

Mitte der 70er wuchs eine neue Bewegung heran, die an die Idee der Autonomie anknüpfte, sie auf das gesamte gesellschaftliche Terrain ausdehnte und eine ganze militante Generation von Jugendlichen erfasste: Die Autonomia. Sie konnte von der herrschenden Klasse nur militärisch zerschlagen werden. Anfang der 80er saßen Tausende in italienischen Gefängnissen.

In der BRD Anfang der 70er Jahre waren einige Gruppen von der Idee der Arbeiter_innenautonomie beeinflusst und starteten Untersuchungen und Interventionen wie beispielsweise Arbeiterkampf bei Ford in Köln, Arbeitersache bei BMW, Siemens und MAN in München oder Revolutionärer Kampf bei Opel in Rüsselsheim. Sie gaben mit anderen die Zeitschrift Wir wollen alles heraus. Da dies heute nahezu in Vergessenheit geraten ist, soll auch darauf eingegangen werden.

Freiraum Dachau
Brunngartenstr. 7
85221 Dachau
Antifaschistisches Infocafé im Freiraum